Vorstellung
Filmreihen
Filmtage
Kinoprojekt
Links
Kontakt
E-Mail
zurück zur Startseite

Ein Zentrum für FilmKunst und Begegnung in Oldenburg

Das Medienbüro Oldenburg setzt sich seit langem dafür ein, einen Ort zu schaffen, in dem FilmKunst auch in Oldenburg eine Heimat findet. Ähnlich wie in anderen Städten vergleichbarer Größenordnung soll der Film als eine bedeutende Kunstform des 20. Jahrhunderts hier seine Würdigung finden.

Ein weiteres Kino in Oldenburg?

Auf dem Kinomarkt herrscht zur Zeit ein großer Verdrängungswettbewerb. Viele traditionelle Spielstätten müssen dem Druck weichen und ihren Betrieb einstellen. In Oldenburg mussten in jüngster Zeit die Kreyenbrücker Lichtspiele ("Muwi") und die Ziegelhoflichtspiele schließen. Da wirkt es auf den ersten Blick paradox, ein neues Kino etablieren zu wollen. Im folgenden möchten wir deshalb erläutern, inwiefern ein Zentrum für FilmKunst sich von den kommerziellen Kinos unterscheidet und warum wir glauben, dass ein solches Zentrum eine Chance auf Verwirklichung hat.

Anmerkungen zur Situation der FilmKunst

Filmkunst und kommunale Filmarbeit blicken in der BRD auf eine lange Geschichte zurück. Mit der Herrschaft des Nationalsozialismus, endgültig dann während des Zweiten Weltkrieges hatte sich Deutschland von der europäischen kulturellen Geschichte abgeschnitten. Es waren die Alliierten, die in Seminaren vor allem der Evangelischen Akademien die Kenntnis über die europäische und amerikanische Filmentwicklung, vor allem der 30er und 40er Jahre vermittelten. Die TeilnehmerInnen brachten diese Kenntnisse zurück in ihre Städte und gaben sie in den zahlreich gegründeten Filmclubs weiter. Aus den Filmclubs gingen Initiativen hervor, die diese Art von Filmarbeit bis in unsere Tage prägen: z.B. das Filmmuseum München, das Mannheimer Filmfestival, die Oberhausener Kurzfilmtage oder das Filmmuseum Düsseldorf. Mit dem Einbruch der BesucherInnenzahlen in den Kinos aufgrund der Ausbreitung des Fernsehens veränderte sich die Situation radikal. Zwar entstanden mit Hilfe öffentlicher Filmförderung die ersten Spielfilme einer neuen Generation von FilmemacherInnen, die Kinos reagierten jedoch nicht auf diese Situation, sondern versuchten durch technische Aufrüstung, Umbau der großen Säle in Schachtelkinos und Absenkung des Niveaus auf "action, crime und sex" das Publikum ins Kino zu locken. Gerade diese Strategie führte dazu, dass die Kulturpolitiker in den Städten, oft aufgrund des Drucks von aktiven Filmclubs sich für kommunale Filmarbeit entschieden. Dahinter stand die Einsicht, dass Film nicht nur grobe Unterhaltungsware, sondern auch kulturelles Gut ist, gerade im sogenannten medialen Zeitalter.
In den 70er Jahren entstanden so die meisten kommunalen Kinos, die ihrem Auftrag: "Andere Filme - Anders Zeigen" bis heute treu geblieben sind.
In den 90er Jahren hat sich die Situation auf dem Kinomarkt erneut einschneidend verändert. Mit dem flächenmäßigen Bau von Multiplex-Kinos hat auf dem Kinomarkt ein Verdrängungswettbewerb stattgefunden, der mehr Verlierer als Gewinner haben wird. Verlierer sind in jedem Fall schon jetzt die kleinen lokalen Kinocenter, auf mittlere Sicht werden einige Programmkinos nicht überleben und natürlich werden angesichts des Overscreenings auch Multiplexe selbst zu Investitionsruinen werden.
Der steigenden Zahl von KinobesucherInnen steht eine Verflachung des Angebots gegenüber. Immer weniger Filme werden in immer mehr Kinos gezeigt. Die Vielfalt wie auch die Qualität der Filme geht spürbar zurück.
Auch die sogenannten Programmkinos sind diesem Konkurrenzkampf unterworfen und unterscheiden sich in der Programmauswahl nur noch selten von den großen Kinokonzernen.
Diese Situation spiegelt sich auch in Oldenburg wieder. Hier gibt es mehrere kommerzielle Kinos, darunter mit dem Casablanca ein Programmkino. Auch das Casablanca unterliegt vielfältigem kommerziellem Druck. Zwar ist der Anteil des europäischen und auch des deutschen Films höher als in den anderen Kinos, doch meist beschränkt sich dieses Angebot auch dort auf die typischen Programmkinofilme.
Ein Zentrum für FilmKunst versteht sich nicht in Konkurrenz zu den kommerziellen Kinos, sondern als notwendige Ergänzung und Erweiterung des nicht mehr vorhandenen Angebots.
Dass es ein Bedürfnis nach anspruchsvollen Filmen gibt, belegen die BesucherInnenzahlen der kommunalen Kinos. Sie sind in fast allen Städten konstant geblieben oder sogar gestiegen (z.B. in Bremen im Kino 46 1999 um 20%).

Das Profil eines Film-Kunst-Theaters

Der oben beschriebenen Verflachung des Programmangebots steht besonders international eine enorme Vielfalt der produzierten Filme gegenüber. Viele Filme, die in ihrer Ästhetik und Erzählweise nicht den Sehgewohnheiten entsprechen, werden von den KritikerInnen gelobt und feiern auf den Festivals Erfolge. Aufgrund des finanziellen Drucks und der enormen Konkurrenzsituation der kommerziellen Kinos finden sie nicht mehr den Weg dorthin. Dies trifft besonders auf Filme aus finanzschwachen Ländern in Afrika, Lateinamerika, Asien und Osteuropa zu.
Dokumentarfilme sind mittlerweile im kommerziellen Kino fast gänzlich verschwunden. Dabei haben gerade sie Filmgeschichte geschrieben (z.B. Shoah von Claude Lanzmann). Dass es hierfür ein Publikum gibt, beweisen die Filmtage. Auf den 7. Oldenburger Filmtagen wurden überwiegend Dokumentarfilme gezeigt, zum Teil über eine Länge von 8 Stunden. Die Reaktion des Publikums zeigte uns, dass es wichtig ist, diese Filme auch im Kino zu zeigen.
Filmgeschichtlich bedeutende Werke oder auch schon wieder vergessene Filme, oft mühevoll aufgespürt und restauriert von Filmmuseen und Kinematheken, sind in Oldenburg bisher ebenfalls kaum zu sehen. Stummfilme mit Livemusikbegleitung und Filmklassiker sind kulturelle Höhepunkte, die in einem Film-Kunst-Theater einen würdigen Rahmen finden. Diese Filme, begleitet von kompetenten ReferentInnen, beleben verloren gegangenes Wissen neu und bilden ein kulturelles Gedächtnis des 20. Jahrhunderts.
Kinder- und Jugendfilme sollen einen wichtigen Schwerpunkt in der Kinoarbeit haben. Es gibt mittlerweile bundesweit einige angesehene Kinder- und Jugendfilmfestivals, die engagierte Filme zeigen und die dazugehörigen RegisseurInnen einladen. Hier ist eine Zusammenarbeit angestrebt. Zukünftig könnten französische oder englische Filme im Original Bestandteil des Unterrichts und Kinobesuche als außergewöhnliche schulische Ereignisse den Lehrplan bereichern. Dass Schulen an Filmen zu speziellen Themen interessiert sind, haben die Schulveranstaltungen auf den Filmtagen gezeigt, an denen jährlich ca. 600 SchülerInnen teilnehmen.
Schon jetzt greifen immer mehr Gruppen auf Film als Medium im Rahmen ihrer Veranstaltungen zurück. Hier könnte ein Zentrum für FilmKunst beratend zur Seite stehen. In den vergangenen Jahren hat das Medienbüro bereits verschiedenste Filmreihen oder einzelne Filmveranstaltungen zusammen mit anderen Gruppen konzipiert (z.B. Mädchenhaus, Frauenhaus, Initiative für offene Grenzen, Patchwork, Eine Welt Haus, Na Und e.V., offener kanal oldenburg).
Nicht zuletzt hätten FilmemacherInnen aus der Region einen Ort, an dem sie ihre Filme zeigen und sich direkt und persönlich mit einem interessierten Publikum auseinanderzusetzen können.
Die MitarbeiterInnen des Medienbüro haben in den letzten acht Jahren in den genannten Punkten Erfahrungen gesammelt und haben schon jetzt ein Stammpublikum an ihrer Seite.

Ein Ort der Begegnung und des Austauschs

Schon aus dem beschriebenen Konzept wird deutlich, dass ein Film-Kunst-Theater mehr ist als ein reiner Abspielort für Kinofilme. Wichtig ist uns einen Ort zu schaffen, in dem Raum bleibt für Diskussionen, Begegnung und Austausch. Dies ist bei der Gestaltung der Räume zu berücksichtigen. Ein angeschlossenes Café wäre dazu ideal.

Das Medienbüro Oldenburg

Das Medienbüro Oldenburg bildet den Kern einer Initiative, die schon seit längerem auf der Suche nach einem geeigneten Ort für ein FilmKunstKino in Oldenburg ist. Das Medienbüro Oldenburg existiert seit 1992 als eingetragener Verein. Seitdem fühlt sich das Medienbüro Film und FilmKunst gegenüber verpflichtet. Das Medienbüro organisiert die Oldenburger Filmtage, das Filmfest der Oldenburger Film- und Kinoinitiativen, veranstaltet eigene Filmreihen und organisiert mit anderen Gruppen einzelne Filmveranstaltungen. Darüber hinaus bietet das Medienbüro Seminare zu Film und Fotografie, und arbeitet medienpädagogisch (z.B. Videoarbeit mit Kindern und Jugendlichen). Die hier gesammelte Erfahrung würde somit in das Projekt einfließen. Einzelne Personen aus der Initiative haben sich betriebswirtschaftlich fortgebildet und ein wirtschaftliches Konzept für ein Café/eine Kneipe erarbeitet.

Utopisch?

Angesichts der bekannten Finanznot der Stadt Oldenburg ist uns klar, dass seitens der Stadt finanziell kaum Spielraum vorhanden ist. Deshalb haben wir uns bemüht, ein Konzept zu entwickeln, das mit relativ wenig öffentlichen Geldern existieren kann. Wir hoffen, dass dies seitens der Stadt, aber auch vom Land anerkannt wird und wünschen uns eine vertrauensvolle Zusammenarbeit. Wir sind überzeugt, dass der Film ebenso wie Literatur, Bildende Kunst und Theater seinen Platz im öffentlichen Leben haben und jenseits kommerzieller Zwänge allen zugänglich sein muss. Bestimmte Filme werden sich wirtschaftlich nicht selbst tragen können. Je mehr zusätzliche Gelder vorhanden sind, desto intensiver ist es uns möglich, unsere Kraft in das Entwickeln eines inhaltlichen Profils zu stecken. Neben den öffentlichen Geldern sind wir deshalb verstärkt auf der Suche nach anderen Förderern. Vor allem zur Anschubfinanzierung und aufgrund der notwendigen Investitionen sind wir auf zusätzliche Mittel angewiesen.
Ziel bleibt es auch in Oldenburg "Andere Filme - Anders zu zeigen". Eine Selbstverständlichkeit die in anderen Städten längst Alltag ist.


vorstellung    filmreihen    filmtage    cine k    links    kontakt