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Film ist Guerillaarbeit
(Dezember 2001)

Portrait des Filmemachers Raoul Peck

Raoul Peck hat sich zu einer der faszinierendsten Persönlichkeiten der internationalen Filmbranche entwickelt. Er ist einer der wenigen FilmemacherInnen der sowohl erfolgreiche Spielfilme wie auch Dokumentarfilme gedreht hat. Ohne Zweifel haben seine frühen Reisen durch die ganze Welt seine ganz eigene Ästhetik die er als Regisseur entwickelt hat entscheidend beeinflusst.

Raoul Peck wurde 1953 in Port-au-Prince, Haiti, geboren. Sein Vater nahm eine Stelle im früheren Belgisch-Kongo an, wo Raoul Peck aus großer Nähe die Ereignisse um die Unabhängigkeit miterlebt. Er verlässt Zaire als Jugendlicher und macht seine Ausbildung und Studium in den USA, Frankreich und in Deutschland, in Berlin studiert er Film an der Deutschen Film-und Fernsehakademie. Er ist zudem ausgebildeter Wirtschaftsingenieur, Journalist und Fotograf.

Der Spielfilm "Der Mann auf dem Quai" war der erste haitianische Film der in amerikanischen Kinos lief und für den Wettbewerb in Cannes ausgewählt wurde. Seitdem wurde Peck für seine internationale Vision, seine historischen und politischen Einsichten die sich mit seiner starken künstlerischen Ausdruckskraft verbinden mehrfach ausgezeichnet. Raoul Peck verspricht einer der großen Filmemacher und politischen Kommentatoren des 21. Jahrhunderts zu werden.

»Es gibt in Europa ein Desintersse an Politik, an Dritter Welt, man will kein Elend mehr sehen, keine schwierigen Probleme lösen. Heute ist es viel leichter, eine Komödie zu verkaufen als einen politischen Film, und dann auch noch in der Kombination mit Schwarz und Afrika. (...) Alle meine Filme stehen vorher schon auf Papier, das die Geldgeber bekommen. Im Fall von "Lumumba" haben sie gelesen, dass dies ein politischer Thriller ist und gesagt den Film unterstützen wir. Aber ich muss zu diesem Zeitpunkt noch nicht mein endgültiges Ziel auf den Tisch legen. Dann käme man in ganz unnötige Diskussionen hinein. Ich liefere am Ende ein Produkt, dass den ersten Anspruch erfüllt, habe aber auch mein eigentliches Ziel mit eingebracht. Und das ist so eine Art Guerilla.« (Aus einem Interview mit der taz vom 12.07.01)

Wir wünschen spannende Filmabende und einen schönen Jahresausklang!


Mittwoch, 19.12.01, 20:00 Uhr:

Lumumba

Frankreich, Belgien, Haiti, BRD 2000, 112 min, 35mm, OmU
Regie: Raoul Peck
Buch: Raoul Peck, Pascal Bonitzer

In seinem neuen Spielfilm rekonstruiert Raoul Peck die dramatischen Umstände und politischen Intrigen, die 1961 in der Ermordung des ersten Premierministers des gerade unabhängig gewordenen Kongos gipfelten. Das Schicksal Patrice Lumumbas, der legendären ja fast mythischen Figur im Prozess der Dekolonisation Afrikas, wird zu einem Schlüssel für das Verständnis der politischen Wirren im heutigen Kongo und der wirtschaftlichen Interessen, die den Krieg im Gebiet der Großen Seen am Laufen halten.

Vom einfachen Postangestellten steigt er innerhalb kürzester Zeit zum Premier auf – noch dazu zum ersten Premierminister seines Landes: Patrice Lumumba führt den Kongo, ein Land von der Größe Westeuropas, in die Unabhängigkeit. Von der belgischen Kolonialmacht wird das Land nur deshalb aufgegeben, weil es Ende der 50er Jahre politisch als Kolonie nicht mehr zu halten ist. Raoul Peck erzählt in seinem streng an historischen Fakten orientierten Spielfilm die Geschichte dieses Patrice Lumumba, der, kaum an die Macht gekommen, durch ein politisches Intrigenspiel des Westens entmachtet und ermordet wird.


Donnerstag, 20.12.01, 20:00 Uhr:

Profit nichts als Profit

Frankreich, Haiti, BRD 2001, 57 min, VHS
Regie, Buch: Raoul Peck

»Das Streben nach Geld treibt die Welt an«. Der Filmemacher Raoul Peck hat sich zum Ziel gesetzt, diesen allgemeingültigen Grundsatz zu untersuchen. In seinem dokumentarisch geprägten Essay widmet er sich dabei besonders den Auswirkungen dieses Paradigmas auf die zwischenmenschlichen Beziehungen. Wie erscheint die globalisierte Wirtschaft beispielsweise den Einwohnern von Port-à-Piment, einem Fischer- und Bauernstädtchen auf Haiti, dessen einzige Perspektiven Bankrott und gesellschaftlicher Zerfall sind? Der Autor wirft grundlegende, gesellschaftskritische Fragen auf: Wie gehen Reich und Arm heutzutage miteinander um? Wie ist es um die Solidarität, die großen humanistischen Ideale, die New Economy, das soziale Gefälle, den Umweltschutz und das kollektive Gedächtnis bestellt? Welche Bedeutung kommt dabei dem Medium Film zu?

Um diese Kernfragen herum entstand ein vielstimmiger Film: Durch sein Engagement und seinen überraschenden Rhythmus wirkt er wie ein Manifest, das auf eine Jazz-Partitur abgestimmt wurde. Alltagsszenen wechseln mit Archivaufnahmen und Gesprächen, Interviews mit Wirtschaftswissenschaftlern, Schaubildern und Straßenbefragungen. Der augenfälligste Kontrast ist die Gegenüberstellung des auf Spekulation fußenden makroökonomischen Systems der internationalen Währungsinstitute und Wirtschaftsexperten auf der einen Seite und der Mikroökonomie der Fischer und Bauern von Port-à-Piment auf der anderen, die den Tauschhandel als Wirtschaftsform für sich neu entdeckt haben. In einem poetisch-ironischen Stil erzählt Raoul Peck die uralte Fabel von Arm und Reich dieser Welt. „Profit, nichts als Profit“ ist die siebte Dokumentation von Raoul Peck.


Donnerstag, 20.12.01, 20:00 Uhr:

Der Mann auf dem Quai

Frankreich, Kanada, BRD 1993, 105 min, 16mm, OmU
Regie: Raoul Peck
Buch: Raoul Peck, André Grall

Eine kleine Provinzstadt in Haiti Anfang der sechziger Jahre. Es ist die Zeit von Francois Duvalier, genannt »Papa Doc«. Vor diesem düsteren Hintergrund entfaltet sich die Geschichte einer Kindheit. Sarah war damals acht Jahre alt. Ihre Erinnerung an jene Zeit ist bruchstückhaft. Vom Balkon ihres Elternhauses beobachtet sie zufällig ein Verhör, bei dem ihr Onkel durch Janvier misshandelt wird. Zwei Jahre später sind ihre Eltern im Exil, und Sarah wird mit ihren Schwestern in einem Kloster versteckt. Bei einer Razzia trifft Sarah erneut auf Janvier, der mittlerweile zum Hauptmann der berüchtigten Tonton Macoutes aufgestiegen ist. Eine Amnestie von »Papa Doc« ermöglicht es den Kindern, das Versteck zu verlassen. Aber die Bedrohung durch Janviers Willkür ist damit noch nicht zu Ende...

Die schnörkellosen, zurückhaltenden Einstellungen vermitteln uns die Geschichte auf unspektakuläre Weise und verlangen vom Publikum eine verloren geglaubte Tugend: genaues Hinsehen und Zuhören. Wir sehen ein Bild aus der Zeit der Diktatur, das Entrüstung auslöst und anklagt. Ein Bild das durch die Augen eines kleinen Mädchens umso schmerzvoller wirkt. Gerade dadurch erhält es aber auch eine lichte, unbeschwerte und zärtliche Komponente. Mit „Der Mann auf dem Quai“ ist es Raoul Peck gelungen Bilder des Schreckens neben solche von leiser Poesie zu stellen, ohne dass das eine das andere zerbricht.


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