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Lost and found
(Oktober 2001)

Eine internationale Filmreihe über Kinder, Arbeit und Freundschaft
in Zusammenarbeit mit der Stiftung Leben und Umwelt, unterstützt von ABP, AStA der C.v.O. Universität und der Stadt Oldenburg

Kinder und Arbeit. Straßenkinder. Keine leichte Kost. Alle haben wir Bilder dazu im Kopf. Und schnell wird das Thema beiseite geschoben. Kinder als Opfer der sie umgebenden Gesellschaft. Oder aber Kinder als Kleinkriminelle, vor denen man sich zum Beispiel im Urlaub in Acht nehmen muss.

Dies ist nur ein ganz kleiner Ausschnitt der Lebensrealität dieser Kinder, die es mittlerweile in allen Erdteilen und auch im reichen Westen gibt. Andere Facetten und Realitäten werden in der Filmreihe gezeigt. Die Filme sind so vielfältig und die Geschichten so unterschiedlich wie die verschiedenen Kontinente und Länder, in denen sie spielen. Alle jedoch zeigen eine ungeheure Sympathie zu den handelnden Kindern. Sie lassen Raum für die unterschiedlichen Charaktere, ohne zu verurteilen, sie zeigen die Phantasie, mit der die alltäglichen Probleme gelöst werden, sie unterstreichen den unbedingten Überlebenswillen und machen sichtbar, wie wichtig die Solidarität untereinander und die Zärtlichkeit miteinander ist. Für viele ist Freundschaft ein Grund, den harten Überlebenskampf nicht aufzugeben.

Jenseits von den glatten Bildern und Geschichten, die wir aus Hollywood oder aus dem Fernsehen gewohnt sind, entwickeln die RegisseurInnen eine eigene Bildsprache. Es entstanden einzigartige Geschichten, die auch durch ihre Bilder einen faszinierenden Ausdruck finden. In der Filmreihe kann Kino aus Indien, dem Senegal, aus Marokko, dem Iran, der Mongolei und aus den USA (neu) entdeckt werden, und einmal mehr wird gezeigt, was der Film zu bieten hat und wie selten dies im Kino zu sehen ist.

Wir wünschen viel Spaß beim Entdecken und spannende Kinoabende.


Sonntag, 14.10.01, 20:00 Uhr:

Dance of Dust

Iran 1998, 73 min
Regie, Buch, Schnitt: Albolfazl Jalili
Kamera: Atta Hayati
Musik: Nezamoodin Kiaíe

Der elfjährige Llia arbeitet in einem Steinbruch in der iranischen Zentralprovinz. Die Menschen hier stellen mit einfachen Mitteln Ziegelsteine her. Llia ist einsam, oft rennt er alleine gegen den Wind an, der durch die wüstenartige Gegend pfeift. Doch eines Tages sieht er Limua, ein gleichaltriges Mädchen, das mit ihrer Mutter zur Saisonarbeit gekommen ist. Nur aus Blicken und Lächeln besteht ihre Beziehung, und aus einem Geschenk. Als die Saisonarbeiter den Steinbruch verlassen, und mit ihnen Limua, bleib Llia alleine zurück. Ihm bleibt Limuas Handabdruck in einem Ziegelstein.

Jalilis Film ist nordwestlich von Teheran, in der Zentralprovinz nahe der Stadt Qazvim angesiedelt. Menschen meist kurdischer, türkischer oder arabischer Abstammung kommen hierher, um als Saisonarbeiter in der Ziegelsteinproduktion zu arbeiten. Jalili lässt ihnen ihre eigene Sprache, der Film kommt ohne übersetzte Dialoge aus. Einen Monat lang hat Jalili selbst in dem Steinbruch in der Ziegelsteinproduktion gearbeitet, um die Menschen dort und die Produktionsabläufe kennenzulernen. Schließlich gab er den wahren Grund seines Aufenthaltes preis. Nachdem er das Vertrauen der Bewohner gewonnen hatte, konnte er ihre Arbeit und ihren Alltag filmen.

Der Film ist im Iran noch nicht gezeigt worden. Bei den Internationalen Filmfestspielen in Locarno gewann er den "Silbernen Leoparden".


Dienstag, 16.10.01, 20:00 Uhr:

George Washington

USA 1999, 89 min, 35 mm, Cinemascope, OmU
Regie, Buch: David Gordon Green
Kamera: Tim Orr

George Washington erzählt die Geschichte einer Gruppe von Kindern, die sich in einer tragischen Lüge verfangen. Vor dem Hintergrund einer heruntergekommenen ländlichen Kleinstadt und während der Feierlichkeiten zum amerikanischen Unabhängigkeitstag versuchen die Kinder, ihre Beziehungen, Ambitionen und ihre Schuldgefühle im Gleichgewicht zu halten. Der elfjährigen Nasia, der Erzählerin des Films, gelingt es, sich aus dem kriminellen Umfeld zu lösen. Sie beobachtet die Kinder auf ihrer Suche nach Erlösung.

»Mir gefallen die Filme mit natürlicher Atmosphäre und ganz normalen Menschen, die in sonderbare Geschichten verwickelt werden, Filme, in denen zarte, unscheinbare Gesten und Unvollkommenheiten nicht ausgeblendet werden. In meinem Leben, vor allem in meiner Kindheit, haben lustige und dramatische Momente emotionale Konflikte in meinen Gedanken und Gefühlen ausgelöst. Es war die Verwirrung der Jugend, in der man etwas vollkommen Lächerliches macht und es gleichzeitig für das Wichtigste in der ganzen Welt hält.« (David Gordon Green)

Das Resultat ist eine neunzigminütige Filmerfahrung, aufgenommen in Cinemascope von dem preisgekrönten Kameramann Tim Orr. Vor dem Hintergrund eindrucksvoller Landschaften und einer bemerkenswerten Ausstattung entfaltet sich das natürliche Spiel der Darsteller.

Gordon Green wurde 1975 in Texas geboren. "George Washington" ist sein erster abendfüllender Film.


Montag, 22.10.01, 20:00 Uhr:

Das Seil

Mongolei 1991, 70 min, s/w, 16 mm, OmU
Regie: Nansalmaagin Uranchimeg
Kamera: Shigshid Binder

Ulan Bator in der Dämmerung. Man sieht eine Gestalt an einem Seil hängen, die Gestalt klettert an einer Hauswand herab und verschwindet in einem Fenster. Es ist Tugulder, ein Zwölfjähriger, der von Diebstählen lebt. Er öffnet die Tür, zwei Männer dringen ein und räumen die Wohnung leer. Der Junge lebt tagsüber auf der Straße, nachts schläft er zusammen mit anderen Straßenkindern in einem unterkellerten Verschlag. Mit diesen Freunden verbringt er den Tag, sie kaufen Lose, spielen und stehlen. Seinen Verdienst braucht Tugulder für seinen Lebensunterhalt, und vor allem will er einen Grabstein für seinen toten Vater kaufen. Auf einem Friedhof lernt er einen alten Mann kennen, der sich ihm zuwendet und ihn zu sich nach Hause einlädt. Turgulder entwickelt Vertrauen zu ihm und fragt ihn ob er als sein Enkel bei ihm leben kann. Er entwickelt den Wunsch aus seinem gefährlichen Job auszusteigen und bekommt Probleme mit seinen Auftraggebern.

Die mongolische Regisseurin Nansalmaagin Uranchimeg ist 1956 in Ulan Bator geboren und hat an der Moskauer Filmhochschule studiert. "Das Seil" ist ihre erste Regiearbeit.


Sonntag, 28.10.01, 20:00 Uhr:
Kurzfilmabend

La Falaise - die Klippe

F/Marokko 1998, 18 min, 35 mm
Regie, Buch: Faouzi Bensaidi
Kamera: Marc-Anré Batigne

Hakim und sein jüngerer Bruder Said versuchen mit kleinen Jobs Geld zu verdienen um zu überleben. Zuerst waschen sie auf dem Friedhof Grabsteine ab, später verkaufen sie einem blinden Alkoholverkäufer leere Flaschen. Die leeren Flaschen am Rande eines Abhangs könnten für die Jungen ein Vermögen bedeuten...

Faouzi Bensaidi wurde 1967 in Meknès, Marokko geboren. La Falaise ist sein erster Spielfilm.

Der Film wurde ausgezeichnet mit dem 1. Kurzfilmpreis des Festival du Film de Fribourg 1999, 1. Preis des Kurzfilmfestivals Incourt in Lleida 1999, dem großen Kurzfilmpreis des Internationalen Filmfestival Mailan und dem Jugendpreis des Kurzfilmfestivals Brest.

Lost and found

Indien 1995, 25 min, VHS
Regie, Buch: Kaizad Gustad
Kamera: Piyush Shan

Munna, ein Schuhputzerjunge aus Bombay, findet die Brieftasche eines Kunden. Obwohl Munna von seinen Freunden als Idiot beschimpft wird, versucht er verzweifelt, die Brieftasche seinem Besitzer zurückzugeben. Für den ehrlichen Finder wird dies aber nicht so leicht...

Die kleine Verkäuferin der Sonne
(La petite Vendeuse de Soleil)

Senegal/Ch/F 1999, 45 min, 16 mm, OmU
Regie, Buch: Djibril Diop Mambéty
Kamera: Jacques Besse

»Seit sehr langer Zeit ist der Handverkauf von Zeitungen in den Straßen von Dakar den Jungen der Stadt vorbehalten. Sili, ein kleines Mädchen lebt auf den Straßen und bewegt sich mit Hilfe von zwei Krücken vorwärts. Sie hält sich neben den Jungen, die die Zeitungen verkaufen, auf und bettelt. Eines Morgens wird sie so heftig von den Jungen angerempelt, dass sie auf den Asphalt hinfällt. Ihre Krücken findet sie meterweit entfernt wieder. Um sich aufzurichten, muss sie alle ihre Kräfte zusammennehmen, und sie nimmt sich fest vor, ab dem nächsten Tag wie alle anderen auch Zeitungen zu verkaufen. Was für Männer gilt, gilt auch für Frauen. Sie wird mit Schmerzen wie mit Träumen konfrontiert... und schließlich auch mit der Freundschaft. Die Geschichte ist eine Hymne auf den Mut der Straßenkinder.« (Diop Mambèty)

Djibril Diop Mambèty wurde 1945 in Dakar geboren. Er gilt als einer der großartigsten und unkonventionellsten Regisseure des afrikanischen Kontinents, dessen Filme entschieden zur Entwicklung des afrikanischen Films beigetragen haben. "La Petite Vendeuse De Soleil" war sein letzter Film. Er starb kurz vor Ende der Dreharbeiten am 23. Juli 1998 in Paris.


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