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Now and then
(Juli 2000)

Eine schwul-lesbische Film- und Veranstaltungsreihe

Am 12. August 1994 starb mit Manfred Salzgeber einer der wichtigsten Förderer (nicht nur) des schwul-lesbischen Films. Wir freuen uns sehr, dass es uns gelungen ist, mit Heiner Roß einen seiner langjährigen Mitstreiter zu gewinnen, um sein Werk auch hier in Oldenburg bekannter zu machen und entsprechend zu würdigen.

Rund um diese Veranstaltung haben wir eine Filmreihe geplant, die sich schwerpunktmäßig historisch und politisch mit schwul-lesbischer (Film)geschichte auseinandersetzt.

Wir sind gespannt auf die Reaktionen zu den beiden Stummfilmen "A Florida Enchantment" von 1914 und "Anders als die Andern" von 1919, zwei lange vergessene wichtige Zeitdokumente, die erstmals in Oldenburg auf Leinwand zu sehen sein werden. "A Florida Enchantment" mit Live-Klavierbegleitungvon Ezzat Nashashibi! Nachdem RollenWechsel am 23. Juni den Film "Stonewall" gezeigt hat, folgt nun der Film "Before Stonewall" von Greta Schiller und Andrea Weiss, die später auch sehr erfolgreich bei "Paris was a Woman" zusammen arbeiteten. Der Film zeigt, dass es auch vor den drei Tagen und Nächten von 1969 eine kulturell und politisch aktive Homosexuellenbewegung gab. Ein Film mit Material aus einem halben Jahrhundert "Parallel-Kultur". "IŽll be your mirror" von Nan Goldin wiederum ist ein Dokument der 70er und 80er Jahre, in der die Auseinandersetzung mit Aids eine immer wichtigere Rolle einnahm.

Fünf Tage spannendes Kino, für dass es sich auch im Sommer lohnt ins dunkle Kino einzutauchen. Wir wünschen euch und uns so gutes Wetter, dass die Diskussionen hinterher im Biergarten geführt werden können!

Eine gemeinsame Veranstaltungsreihe des Medienbüro Oldenburg und RollenWechsel - Kino für Lesben und Schwule als Beitrag zum CSD-NordWest!


Montag, 03.07.00, 20:00 Uhr:

Before Stonewall

von Greta Schiller, Andrea Weiss & Robert Rosenberg
USA 1981-84, 87 min

Seit jenen Junitagen 1969, als das New Yorker "Stonewall Inn" drei Tage und Nächte von Homosexuellen besetzt und gegen die Polizei verteidigt wurde, treten Schwule und Lesben in vielen Ländern offen auf, mit einer Selbstverständlichkeit, als wäre das schon immer so gewesen. Das war es nicht.

Die Autorinnen Greta Schiller und Andrea Weiss sammelten jahrelang Dokumente, Filmausschnitte und alte Fotos. Sie interviewten vor allem die "ordinary gay people", nicht die AktivistInnen oder die großen Namen, sondern jene, die ihr Leben in Toiletten oder versteckten Räumen gelebt hatten. Kein klärender Film, sondern ein lebendiges Dokument einer verborgenen Geschichte, voller Witz und Ironie und manchmal auch Traurigkeit.

Mitwirkende: Audre Lorde, Smilie Hillaire, Martin Duberman, Babara Gittings, Allen Ginsberg, Rev. Grant Gallup u.a.


Mittwoch, 05.07.00, 20:00 Uhr:

Überraschungskurzfilm

im Anschluss:

I'll be your mirror

von Nan Goldin & Edmund Coulthard
GB 1995, 50 min

Nan Goldin ist eine Künstlerin und eine Überlebende. Ihre Fotografien zeichnen ihr Leben nach, beginnend mit ihrer bürgerlichen Erziehung über die wilden und befreienden Erfahrungen im New Yorker Underground der siebziger Jahre bis zu den jüngsten verheerenden Auswirkungen der Aids-Krankheit auf ihre Umgebung. Der Film ist ein intimes Porträt einer der führenden Kunstfotografinnen und gleichzeitig eine eindringliche Darstellung der Erfahrungen einer Generation.

Anhand von Interviews mit ihren engsten FreundInnen und den Menschen, die sie fotografiert hat, einer Mischung aus Hi-8 Videoaufnahmen, Fotografien und speziell gedrehten Filmszenen, erzählt Nan ihr ungewöhnliches Leben und berichtet von der Entstehung einer einmaligen fotografischen Dokumentation ihrer Generation.


Montag, 10.07.00, 20:00 Uhr:

Memorandum über Manfred Salzgeber

eine Veranstaltung mit Heiner Roß

Seit 1964 beschäftigte sich Manfred Salzgeber mit fortschrittlichen Strömungen in der Literatur und im Film. Er wurde zum Protagonisten des politischen und ästhetischen Underground in beiden Kunstformen. 1969 mietete er Kinos an für radikale Programme, begegnete seiner großen Liebe, offenbarte sein Schwulsein und beflügelte die Schaffung des ersten kommunal geführten Kinos, des Kino Arsenal in Berlin. Die Bandbreite seines Tuns und die Darstellung von ihm geliebter Filme stehen im Zentrum der Ausführungen von Heiner Roß.

Heiner Roß war einer von Salzgebers Mitstreitern bei der Gründung der "Freunde der Deutschen Kinemathek" und des "Arsenal" und zeitweise WG-Mitbewohner. Heute ist er Leiter der Kinemathek Hamburg und des kommunalen Kinos Metropolis.


Mittwoch, 12.07.00, 20:00 Uhr:

Anders als die Andern

von Richard Oswald und Magnus Hirschfeld
Deutschland 1919, 40 min, s/w

Der erfolgreiche Violinvirtuose Paul Körner holt sich nach einem Faschingsball einen vermeintlichen Liebhaber ins Haus. Dieser stellt sich als Erpresser heraus, der droht ihn wegen seiner Homosexualität zu kompromitieren. Hilflos leistet Körner zweimal Zahlungen. Auch das Verhältnis zu seinem Liebhaber Kurt leidet darunter, weil der Erpresser in sein Haus einbricht. Daraufhin zeigt Körner seinen Peiniger an, der ihn prompt denunziert. Körner wird zwar nur zur Mindeststrafe von einem Tag Gefängnis verurteilt, sieht sich jedoch von der Gesellschaft geächtet und wird von Kurt verlassen. Mit Gift nimmt er sich das Leben und schliesst sich dem langen Zug der Opfer des Paragrafen 175 an.

»Wenn wir auch mit Hirschfeldts Film "Prostitution" nicht in allen Stücken einverstanden sind, der Film "Anders als die Anderen" trägt voll und ganz wissenschaftlichen Charakter, was auch jeder zugeben muss, dessen Vorstellungswelt sich in Punkto Paragraf 175 bisher in anderer Richtung zu orientieren pflegte.« (Hamburger Volkszeitung 1919)

im Anschluss:

A Florida Enchantment

von Sidney Drew
USA 1914, 60 min, s/w

Hier ist er: der erste Film der Filmgeschichte mit einer lesbisch-schwulen Thematik!! Lillian Travers entdeckt eine alte Kiste, in der Samenkörner liegen, die eine Frau in einen Mann verwandeln können und umgekehrt. In einem Anfall von Groll nimmt sie, nach einem Streit mit einem Verehrer, eines dieser Körner ein und wacht am nächsten Morgen mit einem großen, schwarzen Schnurrbart auf. Zusammen mit einem Dienstmädchen, das auch einen Samen schluckt, stellt sie später die ganze Stadt auf den Kopf. Als heftige Schürzenjäger machen sie anderen Frauen den Hof und verursachen einen Sturm der Entrüstung, ernten aber auch bewundernde Blicke wegen ihrer Dreistigkeit. Als ein mit Lillian befreundeter Arzt ihre Geschichte hört und auch ein Samenkorn schluckt, kommt es allerdings unter der heteromännlichen Gemeinschaft des Ortes zum Eklat, da er versucht einige von ihnen mit lüsternen Blicken zu verführen.

Die Geschlechterverwechslungs- und Verwandlungskomödie nach einem Broadway-Stück hat auch nach über 80 Jahren seinen Witz und seine Faszination nicht verloren.

Stummfilm mit Klavierbegleitung von Ezzat Nashashibi.


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