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Ruth Klüger
(März 1997)


Freitag, 21.03.97, 19:00 Uhr, PFL:

Reisen ins Leben

Weiterleben nach einer Kindheit in Auschwitz
BRD 1996, 130 min

"Reisen ins Leben" beleuchtet den Teil der Geschichte, dem bisher wenig Aufmerksamkeit geschenkt wurde: der Zeit nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges.

In dem Film kommen die Literaturwissenschaftlerin Ruth Klüger, der im letzten Jahr verstorbene Sozialwissenschaftler Gerhard Durlacher und der Hochschullehrer für Kunst Yehuda Bacon zu Wort. Sie haben alle einen Teil ihrer Kindheit im Konzentrationslager Theresienstadt und im Vernichtungslager Auschwitz verbracht.

Immer wieder taucht bei ihnen die Frage auf, wie sie nach der Befreiung noch weiterleben können. Symptomatisch hierfür ist die von Ruth Klüger gewählte Analogie des Reiters über den Bodensee: "Reiter über den Bodensee waren wir gewesen, die erst im Rückblick erkennen, was das für ein Wasser war, das sie fast geschluckt hat."

Ihre Geschichte ist gezeichnet von den Mühen, mit den schrecklichen Erinnerungen weiterzuleben, sie zu verarbeiten oder sie zu verdrängen, ein neues Leben in einer neuen Heimat zu beginnen. Ständig wurden und werden sie mit dem permanenten Desinteresse, Unverständnis und Abwehr von Mitmenschen, Journalisten und Politikern konfrontiert.

Nach dem Film wird entweder der Regisseur Thomas Mitscherlich oder die Regieassistentin und Autorin des gleichnamigen Buchs Barbara Johr für Fragen und Diskussionen zur Verfügung stehen.


Sonntag, 23.03.97, 19:00 Uhr, PFL:

Lesung und Diskussion mit Ruth Klüger

Im Zusammenhang mit dem Film steht eine darauf folgende Veranstaltung mit Ruth Klüger, in der sie einige Passagen aus ihrem autobiographischen Buch "weiter leben - eine Jugend" vorlesen wird. Anschließend besteht die Möglichkeit, sowohl über ihr Buch als auch über den Film "Reisen ins Leben", in dem sie mitgewirkt hat, zu diskutieren.

Ruth Klüger ist 1931 in Wien geboren und wurde mit ihrer Mutter als 11jährige nach Theresienstadt und mit 12 Jahren nach Auschwitz deportiert. Im Januar 1945 wagte sie zusammen mit ihrer Mutter und einer angenommenen Waise auf einem der Todesmärsche die Flucht. Sie gelangten nach Straubing in Bayern, wo sie unter der ständigen Gefahr, entdeckt zu werden, das Kriegsende erlebten. Mit 16 Jahren emigrierte sie zusammen mit ihrer Mutter nach New York. In Berkeley studierte sie Literaturwissenschaften und Germanistik und lehrt heute an der University of California.

In ihrem Buch "weiter leben - Eine Jugend" beschreibt sie die Anfänge der Judenverfolgung in Österreich, das Leben in den Lagern und ihre Zeit nach der Befreiung in Deutschland, sowie ihre Erfahrungen als Überlebende in den USA und Deutschland.

In der Auseinandersetzung mit dem Holocaust bezieht Ruth Klüger eine klare Position gegen den Status des Opfers der Geschichte und tritt entschieden gegen die Formen der Verkitschung und Mystifizierung ein, die in der Aufarbeitung der Geschichte zu Tage treten und in der die Flucht vor der Realität der Vergangenheit zur Selbstbespiegelung der eigenen Sensibilität wird.


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