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Sokha, Aliah, Zahra...
(März 2000)

Die Idee zu einer Filmreihe, in der Mädchen im Mittelpunkt stehen ist schnell erzählt. Auf Festivals und beim Sichten von Filmen haben wir viele interessante Filme entdeckt, in denen die Probleme heranwachsender Mädchen im Mittelpunkt stehen. Ablösungsprozesse spielen eine Rolle, das Woher und Wohin, die Suche nach der eigenen Lebensgestaltung und die Frage nach dem Ziel, der Wunsch nach Glück und die Tragweite der eigenen Verantwortung werden thematisiert.

Durch die unterschiedlichen sozialen und kulturellen Hintergründe - es war uns wichtig Filme aus verschiedenen Ländern und Kontinenten zu zeigen - sind die Geschichten nicht vergleichbar. Genauso wenig wie in Ostkreuz ein typisches deutsches Mädchen oder in Flame eine typische junge Frau aus Simbabwe porträtiert werden, schildert Das Reisfeld eine allgemein gültige Geschichte aus Kambodscha.

Dennoch finden sich Gemeinsamkeiten. In allen Filmen stehen Mädchen vor einer schwierigen Situation und müssen außergewöhnliche Entscheidungen treffen. Sie begeben sich in Rollen, die nicht für sie vorgesehen sind oder die ihnen nicht zugetraut werden. Die individuellen Wege, die die Mädchen und jungen Frauen wählen, lösen nicht alle Probleme aber erlauben ihnen einen neuen Anfang.

Last but not least haben wir Filme entdeckt und ausgewählt, die uns durch ihre Bilder fasziniert haben. Filme, die durch ihre Erzählstruktur beeindrucken und eine klare Sprache sprechen. Wir freuen uns diese besonderen Filme in Oldenburg zeigen zu können.

Wir wünschen unterhaltsame und spannende Kinoabende.


Montag, 06.03.00, 20:00 Uhr, PFL:

Das Reisfeld

von Rithy Panh
Kambodscha/F/CH 1994, 125 min, 16 mm, OmU

Die Reisfelder müssen geweckt werden, sagen die Bauern jedes Jahr zu Beginn des Reisjahres. Sie alle sind davon abhängig, dass die Ernte gelingt, davon leben sie. Der Bauer Wong Poeuw und seine Frau Yim Om haben sieben Töchter. Als der Bauer sich beim Pflügen einen giftigen Dorn in den Fuß tritt, muss seine Frau mit der ältesten Tochter, der 16jährigen Sokha, die schwere Arbeit alleine bewältigen. Wong Poeuw stirbt, denn das Geld fürs Krankenhaus fehlt, und auch die Zeit, um ihn in die Stadt zu bringen. Yim Om, deren Gedanken nur noch um den Reis kreisen, versinkt immer mehr in geistige Verwirrung. Nun ist Sokha alleine für den Reis verantwortlich. Niemand im Dorf traut ihr diese Verantwortung zu, denn sie ist "nur" ein Mädchen. Sokha, die eben erst in die Feldarbeit eingewiesen wurde, muss nun viele schwierige Entscheidungen treffen, für ihre Schwestern sorgen und sich darum kümmern, was mit ihrer Mutter wird, die von den Dorfbewohnern in einen Käfig gesperrt wurde, damit sie kein Unheil anrichten kann. Die Zukunft ist unsicher.

In schönen aussagestarken Bildern erzählt der Film vom Alltag der Reisbauern in Kambodscha. Er vermittelt, wie die Menschen leben, wie sie mit der Natur und ihren Katastrophen umgehen und gibt Einblick in ihre tief verwurzelte Gläubigkeit. Der 1964 in Phnom Penh geborene Regisseur floh vor den "Roten Khmer" nach Tailand und wurde 1985 in Frankreich in einer Filmschule aufgenommen. "Das Reisfeld" ist sein erster abendfüllender Spielfilm. Bis auf die Rolle des Vaters sind alle Darsteller Laienschauspieler.


Donnerstag, 09.03.00, 20:00 Uhr, PFL:

Palast des Schweigens

von Moufida Tlatli
Tunesien/Frankreich 1994, 128 min, 35 mm, OmU

Alia, eine Sängerin, kehrt in den Palast zurück, in dem sie als Tochter einer Bediensteten aufgewachsen ist. Der Anlass ist der Tod eines Prinzen aus der letzten Königsfamilie Tunesiens. Durch den inzwischen fast leeren Palast wandernd, erinnert sich Alia an die Zeit, als sie begann ihren Kinderblick auf die Dinge um sie herum zu verlieren. Mühsam lernte sie zu akzeptieren, dass Zarah, mit der sie zusammen aufwuchs, als die Tochter des Prinzen Privilegien genoss, die ihr als unehelicher Tochter einer Dienerin versagt blieben. Immer wieder stellt sie die Frage nach ihrem Vater, doch im Palast herrscht das unbedingte Gebot des Schweigens. Neugierig schleicht sie hinter den Erwachsenen her, um die Dinge zu erkunden, über die nicht gesprochen wird. Sie entdeckt, daß der Schutz des Palastes, der ihnen vordergründig ein zufriedenes Leben ermöglicht, teuer eworben werden muß. Die Frauen müssen ihren Herren jederzeit und für alle Wünsche zur Verfügung stehen. Als die Prinzen Alia zu nächtlichen Liebesdiensten heranziehen wollen, kann sich ihre Mutter noch eine kurze Zeit dagegen wehren. Alia, mit der Befreiungsbewegung des Landes in Berührung gekommen, flieht aus dem Palast, um ihre persönliche Freiheit zu gewinnen.

Sehr ruhig und mit starken Bildern erzählt der eindrucksvolle Erstlingsfilm der Filmautorin Moufida Tlatli von Machtstrukturen und sexueller Ausbeutung. Ohne die kulturellen Wurzeln über Bord zu werfen, nimmt sie aus der Sicht des Mädchens Abschied von der patriarchalen Palastgesellschaft, die über Generationen Schutz und Unterdrückung verkörperten.


Montag, 13.03.00, 20:00 Uhr, PFL:

Ostkreuz

von Michael Klier
Deutschland 1991, 84 min, 35 mm

Die 15jährige Elfi lebt mit ihrer Mutter in einem Containerlager in Berlin. Ihnen fehlen 3000 DM als Kaution für eine Wohnung. Elfi versucht verzweifelt das Geld aufzutreiben, denn sie hofft in einem anderen Umfeld die zunehmende Fremdheit zwischen ihr und ihrer Mutter überbrücken zu können. Sie gerät an den Kleinkriminellen Darius, der sie für seine Aktivitäten einspannt und ausnutzt. Durch ihn trifft sie den 14jährigen Edmund, den seine Eltern bei ihrer Flucht aus der DDR zurückgelassen haben. Elfi schafft es tatsächlich, die 3000 DM zusammen zu bringen, doch als Elfis Mutter die Containersiedlung verläßt, um mit einem Mann zusammen zu ziehen, bleibt Elfi zurück. Mit Edmund zieht sie durch die Stadt und eine Bauruine wird ihr Zuhause.

Der Schauplatz des Films ist Ost-Berlin, und er zeigt die mögliche Entwicklung einer Metropole zwischen Ost und West am Ende des 20. Jahrhunderts. Er verzichtet dabei auf jede Belehrung und führt nur die Menschen und die Fremdheit zwischen ihnen vor, so wie die Dinge und wie kaputt sie sind. Das reicht um eine unpolemische ausdrucksstarke Geschichte zu erzählen.


Donnerstag, 16.03.00, 20:00 Uhr, PFL:

Flame

von Ingrid Sinclair
Simbabwe 1996, 90 min, 35 mm, OmU

Im Bürgerkrieg gegen das rhodesische Rassisten-Regime von Ian Smith versorgt die junge Florence zusammen mit anderen DorfbewohnerInnen im Busch versteckte Soldaten der Guerilla mit Essen. Dabei lernt sie einen der Anführer kennen und verliebt sich in ihn. Als ihr Vater denunziert und verhaftet wird, beschließt Florence, sich mit ihrer Freundin Nyasha der Guerilla anzuschließen. Die beiden 15jährigen Mädchen nehmen die Decknamen "Flame" und "Liberty" an und müssen sich in der von Männern dominierten Befreiungsarmee erst durchsetzen. Als der Krieg vorbei ist, stellen sie jedoch fest, daß die hart erkämpfte politische Unabhängigkeit des Landes und die damit einher gehenden Veränderungen vor allem den Männern nutzen und nur wenige ihrer eigenen Hoffnungen sich erfüllen. Flame und ihre Freundin müssen nun den Kampf für ihre persönliche Freiheit und die Rechte der Frauen weiterführen...

Der authentische Film, der auf Interviews der Regisseurin mit Ex-Kämpferinnen beruht, löste in Simbabwe große politische Kontroversen aus. Die Polizei beschlagnahmte das Filmmaterial wegen des Verdachts "subversiver Information und pornographischer Szenen", der Verband der Kriegsveteranen forderte ein Verbot, weil der Film ein falsches Bild von der Stellung der Frauen in der Befreiungsarmee zeige.

"Flame" ist einer der starken neuen afrikanischen Filme, der Fragen nach der Emanzipation der Frauen in den heutigen Männergesellschaften stellt. "Flame" wurde in Simbabwe ebenso wie in Südafrika zum Publikumshit, gewann zahlreiche internationale Preise und besticht durch großartige Landschaftsaufnahmen und die faszinierende Mbira-Musik.


Montag, 20.03.00, 20:00 Uhr, PFL:

Der Apfel

von Samira Makhmalbaf
Iran/Frankreich 1997, 85 min, 35 mm, OmU

In einem armen Viertel im Süden Teherans sperrt ein Vater seine Zwillingstöchter Tag für Tag ein, "damit ihnen nichts passiert". Die 12jährigen Mädchen Massoumeh und Zahra besuchen keine Schule, sind verwahrlost und können kaum sprechen. Die Nachbarn schreiben schließlich einen Brief an die staatliche Fürsorgestelle. Die herbeigerufene Sozialarbeiterin versucht den Vater zunächst gütlich zu überreden, die Mädchen aus ihrer Gefangenschaft zu entlassen. Als er starrsinnig bleibt greift sie zu ungewöhnlichen, jedoch äußerst wirkungsvollen Methoden. Unsicher, tastend aber glücklich erforschen währenddessen die Töchter die Welt außerhalb des Hauses.

Die damals 18jährige Regisseurin Samira Makhmalbaf sah in einer Fernsehreportage den Tatsachenbericht über die Zwillingsschwestern Massoumeh und Zahra. Sie recherchierte den unglaublichen Vorfall, nahm Kontakt zur Familie auf und gewann sie dafür, ihre eigene Geschichte zu spielen.


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