Vorstellung
Filmreihen
Filmtage
Cine k
Links
Kontakt
E-Mail
zurück zur Startseite

Dienstag, 03.12.02, 20:00 Uhr, Cine k:

Das letzte Kino der Welt

Argentinien/Spanien/F/NL 1998, 83 min, OmU

Regie & Buch: Alejandro Agresti
Kamera: Mauricio Rubenstein
Musik: Paul Michael Van Brugge
DarstellerInnen: Vera Fogwill (Soledad), Fabian Vena (Pedro), Angela Molina (Maria), Jean Rochefort (Edgar Wexley), Ulises Dumont (Antonio)

Argentinien Mitte der 70er Jahre: die Taxifahrerin Soledad (Vera Fogwill) hat Buenos Aires satt und flieht spontan Richtung Süden. Durch einen Unfall landet sie in Río Pico, einem offenbar filmversessenen Dorf in Patagonien. Bald nach ihrer Ankunft merkt Soledad, daß die örtliche Kinobegeisterung zu Problemen führt. Filme erreichen die abgelegene Gegend in katastrophalem Zustand, der Betreiber Caruso führt sie grotesk verstümmelt und sinnentstellend "repariert" vor. Dies hat zur Folge - da es weder Radio noch Fernsehen gibt und das Kino allabendliches Vergnügen der Jüngeren ist - dass alle Einwohner unter 40 unfähig sind, sich zusammenhängend oder sinnvoll zu verständigen. Der große Star dieses absurden Dorfkinos ist der französische B-Schauspieler Edgard Wexley.
Soledad nimmt Quartier in der Gaststätte von María, einer Mittvierzigerin (Angela Molina), die vor Jahren von ihrem Mann in Río Pico zurückgelassen wurde. Beide schließen Freundschaft und an ihrem ersten Abend macht Soledad zudem die Bekanntschaft von Pedro (Fabián Vena), örtlicher Filmkritiker und verhinderter Regisseur, den die "Río-Pico-Krankheit" am schlimmsten erwischt hat.
Die Altvorderen des Dorfes beschließen derweil am Stammtisch, die Kinogeschädigten durch eine Art dorfeigene Wochenschau zu retten und gewinnen die hübsche und "normale" Soledad, die sich in Río Pico und Pedro verliebt hat, als Moderatorin. Nachdem die Kamera einmal vorhanden ist, garantiert die Lösung aller technischen Probleme des Projektes das Dorfgenie, Antonio Tardini (Ulises Dumont), der nebenher die Relativitätstheorie, die Freudschen Theorien und den Kommunismus erfindet - aber zum falschen Zeitpunkt. Die Wochenschau wird zur Erfolgsstory, Soledad so etwas wie ein Dorfstar, zur Geliebten von Pedro, und um des katholischen Dorffriedens willen bald zu seiner Frau.
Der Nachtzug bringt Río Pico überraschenden Besuch eines angetrunkenen Franzosen: der abgehalfterte Edgard Wexley (Jean Rochefort) hat sich persönlich aufgemacht, "sein" Publikum zu besuchen, denn seit Jahren erhält er ausschließlich Fanpost aus diesem argentinischen Dorf, das nun bei seiner Ankunft Kopf steht. Insbesondere Pedro erwischt es schlimm; der alte Mann aber blüht angesichts der ihm entgegenbrachten Verehrung sichtbar auf. Gleiches gilt für María, die ihn schließlich verführt.
Auch Wexley träumt den Regie-Traum seines Verehrers Pedro; so entwenden beide die Wochenschau-Kamera, um gemeinsam mit Tardini "wahres Kino", einen Dokumentarfilm über einen einsamen Schäfer, zu schaffen. Aber dieses Kino findet keine Zuschauer - wie auch generell die große Zeit des Dorfkinos vorbei ist, weil das Fernsehen unaufhaltsam Einzug hält. Dadurch wird Río Pico ein Ort wie jeder andere, der für Soledad und Pedro seinen besonderen Reiz verloren hat. Sie verlassen das Dorf, María, ihr Edgard und all die anderen bleiben.

Nach vier Jahren in denen der Film Preise auf den Internationalen Filmfestivals von San Sebastian, Istanbul und Chicago gewonnen hat, hat dieser wunderschöne Film endlich auch in Deutschland einen Verleih gefunden und hatte im Sommer Kinostart.


vorstellung    filmreihen    filmtage    cine k    links    kontakt